Luftfahrtversicherungen – welche sind für den Halter eines Privatjets wichtig?

Der Betrieb eines eigenen oder geleasten Privatjets für Geschäfts- oder Privatreisen bietet den Vorteil größtmöglicher Unabhängigkeit von den Flugplänen und Destinationen der Airlines und in der Regel auch einen deutlich besseren Reisekomfort. Beschränkungen hängen lediglich von der Reichweite des Flugzeugs ab und von eventuell bestehenden Engpässen hinsichtlich Start- und Landerechten (Slots) wie sie an vielen hochfrequentierten Flughäfen weltweit anzutreffen sind. Allerdings lassen sich mit einem Privatjet auch weniger stark frequentierte Airports ohne Probleme mit Slots anfliegen.

Gemessen an den indirekten und direkten Betriebskosten eines größeren Privatjets mit interkontinentaler Reichweite sind die Kosten für sämtliche abzuschließende Versicherungen vergleichsweise gering. Bei den kleinen Jets, den „Very Light Jets“ (VLJ), machen die Versicherungskosten im Vergleich zu den gesamten Betriebskosten einen deutlich höheren Anteil aus.

Es stellt sich die Frage, welche der Luftfahrtversicherungen gesetzlich vorgeschrieben sind, die angeboten werden. Welche weiteren Versicherungen sind nützlich, und welche Versicherungen sind lediglich „nice to have“, aber nicht wirklich sinnvoll?

Haftpflichtversicherungen bilden Kernbereich der Luftfahrtversicherung

Für den Halter eines Privatjets gelten folgende Haftpflichtversicherungen als obligatorisch:

  • Halter-Haftpflichtversicherung; deckt Schäden Dritter außerhalb des Flugzeugs ab
  • Passagier-Haftpflichtversicherung; deckt Ansprüche der Passagiere gegenüber Flugzeughalter ab
  • CSL-Versicherung; (combined single limit) heute übliche Kombination aus Halter-Haftpflicht und Passagier-Haftpflicht
  • Sitzplatz-Unfallversicherung; deckt alle Sitzplätze ab einschließlich Piloten-, Crew- und Passagiersitzplätze ab
Das Geschäft mit Luftfahrtversicherungen ist so komplex, dass es in der Regel über stark spezialisierte Makler abgewickelt wird; hier: flugzeugversicherung.aero

Das Geschäft mit Luftfahrtversicherungen ist so komplex, dass es in der Regel über stark spezialisierte Makler abgewickelt wird; hier: flugzeugversicherung.aero

Halter-Haftpflicht für Privatjets

Die Halter-Haftpflichtversicherung ist für Privatjets nach § 33 des Luftverkehrsgesetzes (LuftVG) eine Pflichtversicherung. Sie deckt – ähnlich wie beim Pkw – Schäden Dritter ab. Dazu gehören auch Sach- und Flurschäden, die durch das Flugzeug verursacht werden. Für etwaige Schäden der Passagiere und Crewmitglieder kommt die Halter-Haftpflichtversicherung nicht auf.

Passagier-Haftpflichtversicherung

Die Passagier-Haftpflichtversicherung im Rahmen von Luftfahrtversicherungen deckt Personenbeschädigungen der Passagiere und Schäden an deren Gepäck ab. Bei gewerbsmäßigen und nichtgewerbsmäßigen Flügen, bei denen die Passagiere gegen entsprechendes Entgelt befördert werden, ist die Passagier-Haftpflichtversicherung nach §44 LuftVG vorgeschrieben. Bei unentgeltlicher Beförderung von Personen ist diese Art von Versicherung zwar nicht obligatorisch, aber im Schadensfall würde der verantwortliche Pilot (PIC) – auch wenn ihn keine Schuld trifft – bis zu maximal 100.000 SZR (Sonderziehungsrechte) pro Passagier haftbar gemacht. Das bedeutet, dass in der Praxis alle Halter von Privatjets eine Passagier-Haftpflichtversicherung abschließen. Falls das Flugzeug auch für Trainingszwecke eingesetzt wird, muss eine gesonderte Versicherung abgeschlossen werden, weil Flugschüler nicht als Passagiere zählen und sonst keinen Versicherungsschutz hätten.

CSL-Versicherung

Die CSL-Versicherung stellt eine übersichtliche und seit vielen Jahren übliche Kombination der oben erläuterten zwei Haftpflichtversicherungen dar. Die Versicherungspolice enthält die Gesamtdeckungssumme, die sich aus den beiden Haftpflichtanteilen je Schadensfall ergibt. Die Höhe der Versicherungsbeiträge hängt von vielen Faktoren ab wie Flugzeugtyp, Anzahl Sitzplätze, jährliches Flugstundenaufkommen und Art der Destinationen. Die Verträge werden deshalb individuell ausgehandelt und gestaltet.

Sitzplatz-Unfallversicherung

Die Sitzplatz-Unfallversicherung im Kontext der Flugzeug-/Luftfahrtversicherungen – in etwa vergleichbar mit der Insassenunfallversicherung bei Pkws – deckt alle zugelassenen Sitzplätze des Flugzeugs einschließlich Piloten- und Crewsitze ab. Die Versicherung fungiert für die Crewmitglieder und für Flugschüler als eine Art Insassenhaftpflichtversicherung, und für die Passagiere stellt sie eine Ergänzung der Passagierhaftpflichtversicherung dar, kann diese aber nicht ersetzen. Die Versicherung wird auf freiwilliger Basis abgeschlossen. Nur im Falle von Schulungs- und Einweisungsflügen (Type Rating) ist sie in bestimmter Höhe obligatorisch und muss nachgewiesen werden.

Luftfahrt-Kaskoversicherung deckt Teil- oder Totalschäden am Flugzeug ab

Die Kaskoversicherung deckt Teil- oder Totalschäden an Ihrem Jet ab, die beispielsweise von außen durch Feuer, Hagel oder Diebstahl verursacht wurden. Auch Rollschäden sowie notwendige Außenlandungen und Bruchlandungen sind gedeckt, sofern der Betrieb des Flugzeugs dem Flughandbuch entsprach. Triebwerksschäden sind zwar durch die Kaskoversicherung nicht abgedeckt, wohl aber Folgeschäden der Triebwerksprobleme, falls beispielsweise wegen der Triebwerksprobleme eine Notlandung gemacht werden musste, die Schäden verursacht hat. Kaskoversicherungen in der Luftfahrt beinhalten in der Regel einen hohen Selbstbehalt. Auch dieses Risiko kann über eine sogenannte Selbstbehaltsversicherung abgemildert werden, was vor allem für Luftfahrtunternehmen, also für kommerzielle Betreiber von Privatjets, interessant sein kann, um ihre wirtschaftlichen Risiken zu minimieren. In einigen Fällen stehen auch Überlegungen an, ob der Abschluss einer Kriegs-Haftpflicht- und einer Kriegs-Kaskoversicherung sinnvoll sein könnte.

Einschluss des Kriegs- und Terrorrisikos in die Haftpflicht- und Kaskoversicherung

Im Normalfall werden in den Haftpflicht- und Kaskoversicherungen in der Luftfahrt Risiken, die durch Krieg oder Terror verursacht werden, ausgeschlossen und in der Klausel AVN 48 explizit als ausgeschlossene Risiken angesprochen. Falls der Eigner des Privatjets derartige Risiken, vor allem das Terrorrisiko, als so hoch betrachtet, dass er es als versicherungswürdig erachtet, kann durch die Einführung der Luftfahrt-Klausel AVN 52 auch für die ausgeschlossenen Risiken eine Deckung übernommen werden. Das ist in der Regel für Herstell- und Wartungsbetriebe interessant, weil außer Kriegs- und Terrorrisiken auch die Risiken durch Sabotageakte und sogenannte „böswillige Handlungen“ abgedeckt werden.

Glaubt man Branchenberichten, geht das Geschäft immer mehr in Richtung Privatjet mieten. Anbieter wie Deutsche Privatjet machen Jet-Charter relativ einfach und in vielen Fällen ist das Chartern deutlich günstiger als Betrieb und Versicherung eines eigenen Kleinflugzeugs für private und geschäftliche Flüge auf individuellem Niveau (Screenshot https://www.deutsche-privatjet.de/privatjet-mieten.html am 27.02.2019)

Glaubt man Branchenberichten, geht das Geschäft immer mehr in Richtung Privatjet mieten. Anbieter wie Deutsche Privatjet machen Jet-Charter relativ einfach und in vielen Fällen ist das Chartern deutlich günstiger als Betrieb und Versicherung eines eigenen Kleinflugzeugs für private und geschäftliche Flüge auf individuellem Niveau (Screenshot https://www.deutsche-privatjet.de/privatjet-mieten.html am 27.02.2019)

Wie lässt sich der Privatjet gegen Schäden im Hangar absichern?

In Flugzeughangars herrscht häufig eine drangvolle Enge, die das Rangieren der Flugzeuge erschwert und mit Risiken behaftet. Vor allem ist es im Falle von Feuer oder Überschwemmungen unmöglich, die hangarierten Flugzeuge noch schnell in Sicherheit zu bringen. Um Risiken wie Elementargefahren, Feuer, Einbruchdiebstahl, Vandalismus und andere abzudecken, ist der Abschluss einer speziellen Hangarversicherung sinnvoll. Der Vorteil gegenüber der Kaskoversicherung, die sich in der Risikoabdeckung zum Teil mit der Hangarversicherung überschneidet, liegt in der Versicherungssumme. In der Hangarversicherung kann das Flugzeug im Gegensatz zur Kaskoversicherung auf Wunsch zum Neuwert versichert werden. Die Hangarversicherung gilt nicht nur für den heimischen Hangar, sondern deckt auch die entsprechenden Risiken auf allen europäischen Flughäfen ab.

Betriebsunterbrechungsversicherung

Für gewerbliche Luftfahrtunternehmer, die mehrere Privatjets betreiben, kann der Ausfall eines ihrer Flugzeuge wegen eines gravierenden Triebwerksproblems oder wegen eines Kaskoschadens wirtschaftlich ruinös sein. Die Versicherungsindustrie in der Luftfahrt bietet deshalb Betriebsunterbrechungs- oder Ausfallversicherungen an. Die Versicherung deckt eventuelle Mehrkosten, fixe Kosten und zu definierten Konditionen auch entgangene Gewinne ab. Je nach Flugzeugmuster und Art des Flugbetriebs wird ein Selbstbehalt in Form einer Karenzzeit von mehreren Tagen vereinbart. Das bedeutet, dass die Versicherung erst greift bei unvermeidbaren Standzeiten, die die Karenzzeit von in der Regel fünf bis sieben Tagen überschreitet.

Versicherung gegen Lizenzverlust bei Berufspiloten

Piloten von Privatjets, die in der Regel Inhaber eines Linienflugzeugführerscheins (ATPL) sind, unterliegen einem erhöhten Risiko, ihre Lizenz aufgrund mangelnder Flugtauglichkeit zu verlieren. Die Piloten müssen sich alle sechs Monate der Flugtauglichkeitsuntersuchung bei einem lizensierten Fliegerarzt stellen. Der Verlust der Fliegertauglichkeit bedeutet den sofortigen Entzug der Pilotenlizenz und ist in der Regel mit erheblichen Einkommenseinbußen verbunden. Für Piloten besteht die Möglichkeit, diese Art von finanziellem Risiko durch eine Lizenzverlust-Versicherung zu minimieren.

Luftfahrtversicherungen für Luftsportvereine

Kleinere Turbopropmaschinen und Propellerflugzeuge mit Kolbenmotoren fallen nicht unter die Kategorie „complex aircraft“. Der Betrieb dieser Kategorie von Flugzeugen unterliegt einfacheren Bedingungen als der Betrieb von Jets. Häufig ist ihr Betrieb über Flugsportvereine organisiert, die meist als Eigner und Betreiber fungieren und sich um die entsprechenden Luftfahrtversicherungen kümmern (müssen). In der Regel ist auch ein Schulungsbetrieb mit Fluglehrern und Einweisern angegliedert. Häufig unterliegt auch der Betrieb des Flugplatzes der Regie des Luftsportvereins. Um gesetzlichen Auflagen Genüge zu leisten und um das wirtschaftliche Risiko des Vereins überschaubar zu halten, müssen eine Reihe von Versicherungen abgeschlossen werden. Es geht dabei nicht nur um den Betrieb der Flugzeuge, sondern um weitere, breitgestreute Risiken Luftfahrtveranstaltungen, Betankungsrisiko, Gewässerschäden, Schulungsbetrieb und vieles mehr. Die Luftfahrtversicherer haben sich darauf eingestellt und bieten Luftsportvereinen individuelle Versicherungspakete als Komplettpakete an.


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Dieser Artikel zum Thema / mit dem Titel "Luftfahrtversicherungen – welche sind für den Halter eines Privatjets wichtig?" wurde publiziert von der Redaktion von versicherungen-informer.de am 27. Feb 2019 in der Rubrik: > Im Blickpunkt und mit folgenden Stichwörtern verschlagwortet